Grand Canyon unter Wasser: Zwei Tote und rund 15 Vermisste

Besucher stehen am South Rim des Grand Canyon und beobachten die Schlucht bei regnerischem Wetter.

Nach schweren Sturzfluten im Grand Canyon bleibt die Lage angespannt. Rund 15 Menschen gelten nach Angaben des National Park Service (NPS) als vermisst. Zwei Leichen wurden bereits geborgen. Gleichzeitig drohen neue Gewitter und Überschwemmungen, die die Suche in dem schwer zugänglichen Gelände zusätzlich behindern könnten.

Die Unwetter haben nicht nur Wanderwege und Brücken beschädigt. Auch die zentrale Wasserversorgung des Nationalparks wurde erheblich getroffen. Nach Angaben des NPS sind rund 40 Prozent der Transcanyon Waterline beschädigt oder zerstört worden.

Suche nach Vermissten wird durch Wetter erschwert

Die Sturzfluten trafen am Samstagnachmittag den Bereich Bright Angel Canyon und Phantom Ranch. Zahlreiche Menschen mussten den betroffenen Abschnitt verlassen. Bis Sonntagmorgen wurden 62 Menschen evakuiert, weitere Evakuierungen waren geplant.

Am Sonntagabend wurde die Leiche eines 46-jährigen Mannes geborgen. Am Montag bestätigte der National Park Service die Bergung einer zweiten Leiche. Zugleich machte die Behörde deutlich, dass sich die weiteren Suchmaßnahmen wegen des Wetters verzögern könnten. “forecasted weather may affect the timing and pace” weiterer Suchaktionen, hieß es.

Der NPS arbeitet bei der Evakuierung und der Suche nach den Vermissten mit Behörden des Bundesstaates Arizona zusammen. Für Montag war zudem eine Pressekonferenz angekündigt, bei der Einsatzkräfte sowie Vertreter lokaler Behörden und des Nationalparks über den Stand der Suche informieren sollten.

Neue Gewitter bringen zusätzliche Gefahr

Während die Rettungskräfte mit den Folgen der Flut kämpften, blieb die Wetterlage problematisch. Am Montagnachmittag lagen tiefe Wolken über der tief eingeschnittenen Schlucht. Der National Weather Service warnte erneut vor möglichen Überschwemmungen.

“Flash flooding will be possible in creeks, normally dry washes, swimming holes, and over recently burned areas. Raging killer currents will be possible in side canyons and narrow slot canyons. Low-water crossings may be flooded,” teilte die Wetterbehörde in einem Bulletin mit.

Die Warnungen betreffen damit auch Bereiche, die normalerweise trocken sind. Besonders gefährlich können plötzliche Wasserströme in Seitenschluchten und engen Felsschluchten werden.

Besucher erleben den Canyon unter schwierigen Bedingungen

Auf dem South Rim zeigte sich am Montag ein ungewöhnliches Bild. Einige Besucher, darunter zahlreiche ausländische Touristen, standen mit Regenschirmen oder Regenponchos am Rand des Canyons. Sie versuchten, trotz der schlechten Sicht einen Blick auf den weit unten liegenden Colorado River zu erhaschen.

Aufnahmen von Wanderern aus dem Wochenende zeigen, wie braunes Hochwasser an Wegen und unter Fußgängerbrücken vorbeiströmt. Baumstämme und weiteres Treibgut wurden von den Wassermassen mitgerissen. Das Geräusch der Fluten war dabei deutlich zu hören.

Die Wege vom South Rim hinunter in den Canyon waren am Montag weiterhin geöffnet. Mitarbeiter warnten Besucher jedoch vor den Risiken. Während der Südwest-Monsunzeit können jederzeit plötzlich starke Regenschauer auftreten.

Eine Wanderung von einem beliebten Ausgangspunkt hinunter in den Canyon dauert nach Angaben eines Mitarbeiters für viele Besucher etwa vier Stunden. Für den Rückweg müssen zusätzlich wahrscheinlich sechs Stunden eingeplant werden.

Wasserversorgung des Nationalparks schwer beschädigt

Neben der Suche nach Vermissten stellt die beschädigte Infrastruktur eine weitere Herausforderung dar. Besonders wichtig ist die Transcanyon Waterline, die den Nationalpark mit Wasser versorgt.

Die Leitung ist rund 20 Kilometer beziehungsweise zwölfeinhalb Meilen lang. Sie führt von der Quelle Roaring Springs am North Rim bis zum South Rim und liefert Trinkwasser. Außerdem dient sie der Brandbekämpfung.

Nach Angaben des National Park Service wurden 40 Prozent dieser wichtigen Wasserleitung durch die Überschwemmungen beschädigt oder zerstört. Deshalb gelten im meistbesuchten Bereich des Parks nun Einschränkungen beim Wasserverbrauch. Zusätzlich wurden Holz- und Holzkohlefeuer verboten.

Auch andere Einrichtungen wurden schwer getroffen. Der NPS spricht von “significant impacts to infrastructure”. Fußgängerbrücken wurden zerstört, außerdem können Wanderer Bright Angel Creek an bestimmten Stellen nicht mehr überqueren.

Warum Sturzfluten in Arizona besonders gefährlich sind

Sturzfluten treten im Norden Arizonas vergleichsweise häufig auf. Der Grund liegt unter anderem in der trockenen Landschaft mit nur spärlicher Vegetation. Der Boden kann große Mengen plötzlich fallenden Regens nur begrenzt aufnehmen.

Die Parkverwaltung fordert Besucher deshalb insbesondere zwischen Juli und Mitte September zu erhöhter Vorsicht auf. Gerade während der Monsunzeit kann sich die Wetterlage innerhalb kurzer Zeit verändern.

Der Grand Canyon selbst ist über Millionen Jahre durch die Erosion des Colorado River entstanden. Der Fluss hat sich durch Schichten aus rotem Sandstein und anderem Gestein gearbeitet und dabei eine gewaltige Schlucht geformt. Sie ist an manchen Stellen bis zu 18 Meilen breit und mehr als eine Meile tief.

Ein Nationalpark mit Millionen Besuchern

Die Dimensionen des Parks machen die aktuellen Rettungsarbeiten besonders anspruchsvoll. Der Grand Canyon zählt zu den bekanntesten Naturwundern der Welt. Allein im vergangenen Jahr besuchten fast fünf Millionen Menschen die Sehenswürdigkeit.

Für die Einsatzkräfte bedeutet das zugleich, dass neben der Suche nach Vermissten auch die Sicherheit der weiterhin anwesenden Besucher berücksichtigt werden muss. Die Kombination aus schwer zugänglichem Gelände, beschädigter Infrastruktur und möglichem weiterem Starkregen erschwert die Lage zusätzlich.

Ausblick

Entscheidend für die kommenden Stunden ist die weitere Entwicklung des Wetters. Neue Gewitter könnten die Suche nach den Vermissten verlangsamen und zugleich weitere Gefahren für Wanderer und Einsatzkräfte schaffen.

Parallel muss der National Park Service mit den Folgen der beschädigten Wasserversorgung und der zerstörten Infrastruktur umgehen. Wie schnell die Such- und Rettungsarbeiten ausgeweitet werden können, hängt damit nicht allein vom Einsatz der Rettungskräfte ab, sondern auch davon, ob die Wetterbedingungen eine sichere Arbeit im Canyon zulassen.

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