Iran-Konflikt eskaliert erneut: Raketenangriff auf US-Stützpunkte in Jordanien

Die wirtschaftlichen Folgen des Iran-Kriegs reichen längst über die unmittelbare Konfliktregion hinaus. Nach neuen US-Angriffen auf iranische Raketenstellungen hat Teheran nun erneut militärisch reagiert – und damit eine Phase relativer Beruhigung beendet. Besonders kritisch bleibt die Lage rund um die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Verkehrsadern für den globalen Energiehandel.

Iran erklärte am Montag, zwei US-Militärstützpunkte im verbündeten Jordanien mit ballistischen Raketen angegriffen zu haben. Die Revolutionsgarden sprachen von „heavy damage“. Jordaniens Armee teilte dagegen mit, acht Raketen abgefangen zu haben, ohne deren Herkunft zu nennen.

Damit flammt der Konflikt sechs Monate nach Beginn des Krieges erneut auf. Zugleich steht die Entwicklung im Widerspruch zu den zuletzt verstärkten diplomatischen Bemühungen um eine dauerhafte Beendigung der Kämpfe.

Straße von Hormus bleibt zentraler Brennpunkt

Für die internationale Wirtschaft ist vor allem die Situation an der Straße von Hormus von Bedeutung. Durch die strategische Meerenge floss vor Beginn des Krieges rund ein Fünftel des weltweiten Öls. Iran hat die Passage faktisch blockiert, wodurch weltweit höhere Preise und Engpässe bei Energie und Düngemitteln entstanden sind.

Die USA hatten nach eigenen Angaben erst in der vergangenen Woche damit begonnen beziehungsweise abgeschlossen, internationale Schifffahrtsrouten von Seeminen zu räumen. Navy Captain Tim Hawkins, Sprecher des US Central Command, sagte: “Last week, Centcom completed clearing sea mines from the strait’s international shipping routes.”

Zugleich betonte er: “US forces are monitoring the area closely and remain prepared to protect the free flow of commerce through this essential waterway.”

Washington begründete den jüngsten Militäreinsatz mit einer unmittelbaren Gefahr für die Schifffahrt. Nach Angaben des US Central Command griffen US-Kräfte iranische Raketenwerfer auf einer kleinen Insel in der Straße von Hormus an. Ziel sei es gewesen, weitere Verminungen der Meerenge zu verhindern.

“US forces took limited, precise action against IRGC (Iran’s Revolutionary Guards’) minelaying forces posing an imminent threat in the Strait of Hormuz,” schrieb das US Central Command auf X.

Teheran spricht von Vergeltung

Die iranischen Revolutionsgarden bezeichneten die amerikanischen Angriffe als Ursache für den anschließenden Raketenbeschuss auf US-Ziele in Jordanien. Nach iranischer Darstellung gab es durch die US-Angriffe “casualties”. Der Angriff auf Jordanien sei “in response to the US-Zionist aerial aggression” erfolgt.

Jordanien, das mit Washington verbündet ist, wurde damit erneut zum Schauplatz der regionalen Konfrontation. Iran hatte im Verlauf des Krieges bereits US-Einrichtungen und Verbündete der Vereinigten Staaten in mehreren Staaten der Golfregion angegriffen, darunter Kuwait, Oman, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate.

Die jüngste Eskalation erfolgte nur wenige Wochen nach dem letzten bekannten direkten US-Angriff auf iranisches Territorium. Die US-Streitkräfte hatten am 29. Juli nach eigenen Angaben auf “an attempted surprise attack on US forces” in der Region reagiert. Anfang Juli hatte das US Central Command Iran zudem 13 Nächte in Folge angegriffen.

Streit um Kharg erhöht wirtschaftlichen Druck

Parallel zu den Angriffen auf Raketenstellungen rückte Irans wichtigste Energieinfrastruktur in den Mittelpunkt. US-Präsident Donald Trump erklärte am Sonntag, die iranische Energie-Drehscheibe Kharg Island werde “blown to smithereens”. Weitere Einzelheiten nannte er nicht.

Auf der Insel werden große Teile der iranischen Ölexporte abgewickelt. Vor dem Krieg liefen dort 90 Prozent der iranischen Ölausfuhren zusammen. Eine schwere Beschädigung der Infrastruktur von Kharg könnte deshalb den Außenhandel mit Öl erheblich beeinträchtigen und den wirtschaftlichen Druck auf Teheran weiter verschärfen.

Trump schrieb in den sozialen Medien: “Kharg Island being blown to smithereens!!! President DJT,” nachdem US-Kräfte zwei Raketenwerfer auf einer anderen Insel getroffen hatten. Dabei handelte es sich nach den vorliegenden Angaben um die ersten bekannten US-Angriffe auf die Islamische Republik seit Ende Juli.

Vom militärischen zum wirtschaftlichen Druck

Die US-Regierung hatte zuletzt stärker auf wirtschaftliche Maßnahmen gesetzt. Präsident Donald Trump und seine Administration priorisierten in den vergangenen Wochen eine Strategie der “economic warfare”, während direkte militärische Angriffe seltener geworden waren.

Ein US-amerikanisches Gegenembargo gegen iranische Häfen verschärft inzwischen die Versorgungslage. Besonders bei Benzin steht Iran unter Druck, weil die heimische Produktion den Bedarf nicht vollständig deckt.

Die Auswirkungen des Konflikts sind zugleich an den internationalen Rohstoffmärkten sichtbar. Nach den jüngsten US-Angriffen legten die Ölpreise zu: Brent, die internationale Referenzsorte aus der Nordsee, stieg wieder über die Marke von 90 Dollar je Barrel. West Texas Intermediate kletterte auf mehr als 85 Dollar.

Diplomatie kommt nicht voran

Die militärische Entwicklung steht einer Reihe diplomatischer Initiativen gegenüber. Vermittler, darunter Pakistan und Katar, bemühen sich seit Monaten um eine Beendigung des Krieges.

Im April war zwar eine Waffenruhe vereinbart worden. Im Juni folgte ein Memorandum of Understanding als Grundlage für ein endgültiges Friedensabkommen. Eine abschließende Einigung kam jedoch nicht zustande. Die sporadischen Angriffe, insbesondere im Umfeld der Straße von Hormus, haben die Aussichten auf einen dauerhaften Frieden weiter belastet.

Die Waffenruhe vom April hatte die intensivste Phase der Kämpfe beendet. Sie führte jedoch nicht zu einer dauerhaften politischen Lösung.

Der Krieg belastet auch die US-Innenpolitik

Auch in den Vereinigten Staaten wächst der politische Druck. Der Krieg ist in der amerikanischen Bevölkerung ausgesprochen unbeliebt. Gleichzeitig rücken die Zwischenwahlen im November näher, bei denen die republikanische Mehrheit im Kongress auf dem Spiel steht.

US-Senator Jack Reed, ranghöchster Demokrat im Streitkräfteausschuss des Senats, griff Trump am Freitag scharf an.

“Six months later, not a single objective has been achieved,” sagte Reed in einer Stellungnahme.

Ausblick: Neue Eskalation trotz diplomatischer Sackgasse

Der Raketenangriff auf US-Ziele in Jordanien zeigt, dass die im April erreichte Beruhigung des Konflikts weiterhin fragil ist. Die erneuten Angriffe erhöhen zugleich das Risiko, dass sich die Auseinandersetzung über die unmittelbaren Kriegsschauplätze hinaus ausweitet.

Entscheidend dürfte in den kommenden Wochen sein, ob die Vermittlungsversuche wieder Bewegung in die festgefahrenen Verhandlungen bringen. Gleichzeitig bleibt die Straße von Hormus ein zentraler Hebel des Konflikts – mit möglichen Folgen für Energiepreise, Versorgungssicherheit und die Weltwirtschaft.

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