Kiew, 24. August 2026. Die Ukraine hat am Montag ihren 35. Unabhängigkeitstag begangen. Im Mittelpunkt der Feierlichkeiten stand die Hauptstadt Kiew, wo Präsident Wolodymyr Selenskyj gemeinsam mit mehreren europäischen Spitzenpolitikern an den offiziellen Zeremonien teilnahm. Der Feiertag stand auch in diesem Jahr ganz im Zeichen des seit 2022 andauernden russischen Angriffskrieges.
Der 24. August erinnert an den Tag, an dem das ukrainische Parlament im Jahr 1991 die Unabhängigkeit von der Sowjetunion erklärte. Bei einem späteren Referendum unterstützten mehr als 90 Prozent der Bevölkerung die Unabhängigkeit. In diesem Jahr wurde das Jubiläum deshalb besonders symbolisch begangen.
Die zentrale Zeremonie fand in Kiew auf dem Sofiiska-Platz statt. Dort versammelten sich ukrainische Vertreter und internationale Gäste. Zu den hochrangigen Besuchern gehörten unter anderem der britische Premierminister Andy Burnham und der Präsident des Europäischen Rates, António Costa. Auch weitere europäische Vertreter waren in Kiew, um der Ukraine ihre Unterstützung zu zeigen.
Selenskyj nutzte den Independence Day für eine klare Botschaft. Die Ukraine wolle Frieden, werde sich aber nicht um jeden Preis Russland unterwerfen. Besonders deutlich lehnte der ukrainische Präsident Forderungen ab, nach denen die Ukraine weitere Gebiete im Donbass an Russland abtreten soll. Gleichzeitig forderte er seine internationalen Partner auf, den Druck auf Moskau weiter zu erhöhen und die Ukraine militärisch stärker zu unterstützen.
Ein weiterer Schwerpunkt seiner Rede war die Verteidigung des Landes. Selenskyj sprach über den anhaltenden russischen Raketen- und Drohnenbeschuss und forderte mehr Luftverteidigung. Außerdem rief er die ukrainische Rüstungsindustrie dazu auf, die Produktion eigener Langstreckenwaffen weiter auszubauen. Besonders begrüßte er die britische Unterstützung beim Aufbau einer ukrainischen Produktion von Raketen.
Auch Großbritannien setzte am Independence Day ein deutliches Zeichen. Premierminister Andy Burnham reiste für seinen ersten internationalen Besuch als Regierungschef nach Kiew. Er erklärte, Großbritannien stehe fest an der Seite der Ukraine. London will außerdem Informationen über bestimmte Komponenten der britisch-französischen Storm-Shadow/SCALP-Raketen bereitstellen, damit die Ukraine langfristig ihre eigene Produktion ausbauen kann.
Auch die Europäische Union unterstrich ihre Unterstützung. António Costa nahm persönlich an der Zeremonie in Kiew teil und würdigte den Mut der Ukrainerinnen und Ukrainer. In seiner Rede erinnerte er daran, dass der 24. August für die Ukraine nicht nur ein Nationalfeiertag, sondern auch ein Symbol für den Kampf um Freiheit und Unabhängigkeit sei. Er dankte insbesondere den Menschen, die ihr Land an der Front und im ganzen Land verteidigen.
Auch außerhalb der Ukraine wurde der Independence Day sichtbar begangen. Der Rat der Europäischen Union beleuchtete sein Europa-Gebäude in Brüssel in den ukrainischen Farben Blau und Gelb. Damit wollte die EU ihre Unterstützung für die Souveränität, Unabhängigkeit und territoriale Integrität der Ukraine erneut sichtbar machen.
Am Rande der Feierlichkeiten ging es deshalb nicht nur um Gedenkveranstaltungen. In Kiew standen auch konkrete Gespräche über die weitere Unterstützung der Ukraine auf der Tagesordnung. Europäische Partner beraten unter anderem über zusätzliche Luftverteidigung, Waffenproduktion und langfristige Sicherheitsgarantien. Frankreich, Großbritannien und Deutschland arbeiten dabei eng mit der Ukraine zusammen.
Für die Ukraine hat der diesjährige Independence Day damit eine besondere Bedeutung. 35 Jahre nach der Unabhängigkeit von der Sowjetunion befindet sich das Land weiterhin im Krieg und steht gleichzeitig unter großem internationalen Druck, eine Lösung für den Konflikt zu finden.
Selenskyjs Botschaft bleibt dabei klar: Die Ukraine will Frieden, aber keinen Frieden um den Preis ihrer Unabhängigkeit. Der 24. August wurde deshalb in Kiew nicht nur als nationaler Feiertag gefeiert, sondern auch als Zeichen dafür, dass die Ukraine trotz des Krieges an ihrer staatlichen Souveränität festhalten will.