Deutschland könnte Russland wegen eines mutmaßlichen Drohnenangriffs in Leipzig direkt verantwortlich machen. Nach einem Bericht von Politico bereitet Bundeskanzler Friedrich Merz offenbar eine mögliche offizielle Erklärung vor. Gleichzeitig soll Berlin über neue und deutlich härtere Sanktionen gegen Russland nachdenken.
Eine offizielle deutsche Zuordnung des Angriffs zu Russland gibt es bisher jedoch nicht.
Drohne soll ukrainisches Flugzeug als Ziel gehabt haben
Bei dem Vorfall soll eine mit Sprengstoff beladene Drohne möglicherweise ein ukrainisches Antonow-Frachtflugzeug am Flughafen Leipzig/Halle zum Ziel gehabt haben.
Laut einem Bericht des Wall Street Journal sollen US-Geheimdienste Russland mit dem mutmaßlichen Anschlagsplan in Verbindung gebracht haben. Die russische Regierung weist eine Beteiligung jedoch zurück.
Sollte die deutsche Regierung Russland offiziell für den Vorfall verantwortlich machen, wäre dies eine deutliche Verschärfung der Beziehungen zwischen Berlin und Moskau.
Nach Angaben von Politico werden innerhalb der deutschen Regierung verschiedene Reaktionen diskutiert. Dazu gehören nicht nur diplomatische Maßnahmen, sondern auch zusätzliche Sanktionen gegen Russland.
Außerdem könnte Deutschland seine militärische Unterstützung für die Ukraine weiter verstärken.
Berlin soll sich gleichzeitig auf mögliche Reaktionen aus Moskau vorbereiten. Eine offizielle Beschuldigung Russlands könnte zu einer weiteren Verschärfung des Konflikts zwischen Deutschland und Russland führen.
Der Fall in Leipzig wird laut dem Bericht im Zusammenhang mit mehreren anderen mutmaßlich mit Russland verbundenen Vorfällen in Europa betrachtet.
Dazu gehören unter anderem eine explosive Marinedrohne in der Nähe eines Gasprojekts am Schwarzen Meer in Rumänien, ein vereitelter Brandanschlagsplan in der Slowakei und ein mysteriöser Waffenfund in der Nähe von Berlin.
Europäische Sicherheitsbehörden beobachten solche Fälle deshalb zunehmend mit Sorge.
Einige deutsche Politiker sollen die mögliche Reaktion auf den Leipziger Vorfall als „Zeitenwende 2.0“ bezeichnet haben.
Damit wäre eine weitere grundlegende Veränderung der deutschen Sicherheits- und Verteidigungspolitik gemeint. Deutschland hatte bereits nach dem Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine im Jahr 2022 eine sogenannte „Zeitenwende“ angekündigt.
Parallel dazu arbeitet die Europäische Union an einem neuen großen Sanktionspaket gegen Russland.
Das geplante Paket könnte laut dem Bericht rund 1.600 russlandbezogene Personen und Unternehmen betreffen. Genannt werden etwa 800 Personen und 800 Unternehmen.
Für Berlin steht damit eine wichtige Entscheidung bevor. Sollte Russland tatsächlich für den mutmaßlichen Vorfall in Leipzig verantwortlich gemacht werden, könnte Deutschland seine bisherige Politik gegenüber Moskau deutlich verschärfen.
Die endgültige deutsche Bewertung des Vorfalls steht jedoch noch aus.