Gericht verhängt Haftstrafen gegen vier Militärangehörige
Ein Militärgericht in Indonesien hat vier Soldaten wegen eines schweren Angriffs auf einen Aktivisten schuldig gesprochen. Die Männer wurden am Mittwoch zu Gefängnisstrafen von bis zu drei Jahren verurteilt, nachdem sie an einer Säureattacke auf den Aktivisten Andrie Yunus beteiligt gewesen waren.
Der Fall hatte landesweit Aufmerksamkeit erregt, da das Opfer zu den Kritikern einer zunehmenden Rolle des Militärs in staatlichen Angelegenheiten gehört. Bei dem Angriff im März erlitt der 27-Jährige schwere Verletzungen und verlor die Sehkraft auf einem Auge.
Die Verurteilung beendet zwar das Gerichtsverfahren gegen die vier Soldaten, Kritiker sehen jedoch weiterhin viele offene Fragen.
Angriff führte zu schweren Verletzungen
Nach Angaben des Gerichts handelte es sich um einen geplanten Angriff. Die vier Angeklagten gehörten alle zur Strategischen Geheimdienstagentur des Militärs (BAIS).
Die Soldaten Edi Sudarko (45), Budi Hariyanto Widhi Cahyono (43), Nandala Dwi Prasetia (40) und Sami Lakka (41) wurden wegen vorsätzlicher Körperverletzung verurteilt.
Der Vorsitzende Richter Fredy Ferdian Isnartanto erklärte während der Urteilsverkündung, die Angeklagten hätten ein „arrogantes Verhalten“ gezeigt.
Die Männer waren kurz nach der Tat festgenommen worden.
Militär: Soldaten handelten ohne Befehl
Militärstaatsanwälte vertraten im Prozess die Auffassung, dass die vier Soldaten nicht auf Anweisung höherer Stellen gehandelt hätten. Nach ihrer Darstellung sei die Tat aus eigener Initiative erfolgt.
Als mögliches Motiv wurde ein Vorfall aus dem Jahr 2025 genannt. Damals hatten Andrie Yunus und weitere Aktivisten eine Veranstaltung eines Abgeordneten gestört, um gegen eine geplante Änderung des Militärgesetzes zu protestieren.
Die Soldaten sollen über diese Aktion verärgert gewesen sein.
Kritik an umstrittenem Militärgesetz
Die Gesetzesänderung wurde im vergangenen Jahr vom indonesischen Parlament verabschiedet.
Durch die Reform wurde die Zahl der staatlichen Ministerien und Institutionen, in denen aktive Militärangehörige arbeiten dürfen, von zehn auf vierzehn erhöht.
Gegner des Gesetzes sehen darin eine stärkere Einbindung des Militärs in zivile Bereiche des Staates. Befürworter argumentieren dagegen, dass erfahrene Militärangehörige wichtige Aufgaben in staatlichen Einrichtungen übernehmen können.
Zweifel am Verfahren bleiben bestehen
Andrie Yunus und seine Unterstützer hatten gefordert, den Fall vor einem zivilen Gericht zu verhandeln. Sie befürchteten, dass ein Militärgericht nicht unabhängig genug sei und mögliche Hintermänner geschützt werden könnten.
Der Aktivist selbst nahm an keiner der Gerichtsverhandlungen teil. Als Gründe nannte er gesundheitliche Probleme sowie mangelndes Vertrauen in das Verfahren.
Menschenrechtsgruppen weisen seit Jahren darauf hin, dass Angriffe auf Aktivisten in Indonesien oft nicht vollständig aufgeklärt werden.
Hintergrund
Nach dem Säureangriff wurden die vier Soldaten schnell festgenommen. In der Folge trat auch BAIS-Chef Yudi Abrimantyo zurück. Behörden bezeichneten seinen Rücktritt als „Form der Verantwortung“ für den Vorfall.
Trotz der Verurteilung glauben viele Kritiker, dass die eigentlichen Auftraggeber des Angriffs bislang nicht identifiziert wurden und möglicherweise niemals zur Rechenschaft gezogen werden.
Die Haftstrafen gegen die vier Soldaten stellen einen wichtigen Schritt in dem aufsehenerregenden Fall dar. Dennoch bleibt die Debatte über mögliche Hintermänner und die Rolle des Militärs in Indonesien bestehen. Menschenrechtsaktivisten fordern weiterhin vollständige Transparenz und eine unabhängige Aufklärung des Angriffs.